Chronik Eckersmühlen

Ein Streifzug vom 11. Jahrhundert bis heute

13. Dezember 1619 – "Komm heraus du Sakramentspfaff!". Dabei schlug der Schulmeister mit seinem breiten Klotz dermaßen an die Läden, dass es nicht zu sagen war. Der Pfarrer sagte: „Jederzeit habe ich für ihn alles getan und alle Eingaben zur Erlangung der Schul- und Meßnerstelle in Alfershausen verfertigt und für alles habe ich nur Undank geerntet!“ Der Schulmeister wurde deswegen vor das Amt Roth geladen und wegen grober Beleidigungen in den Turm gesperrt. Nach Abbüßung der Strafe ging es von neuem los. Der alte Wirt (wohl ein Parteigänger Drehers) schrie im ganzen Dorf die Ungerechtigkeit, die an dem Schulmeister begangen worden war, herum. Während sich die beiden konfessionellen Militärblöcke im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die katholische Liga und die protestantische Union, sich zum letzten großen religiösen Ringen auf deutschem Boden rüsten, aus dem sich ein 30 Jahre langer grausamer Krieg entwickeln wird, prügeln sich in einem kleinen fränkischen Dorf südöstlich von Nürnberg ein Pfarrer und ein Schulmeister. Diese und andere Geschichten spielten sich vor langer Zeit in Eckersmühlen ab. Die Ortschronik einer Ortschaft im Landkreis Roth mal ganz anders. Ein Einblick in den Alltag der Dorfbewohner in früheren Zeiten im Kontext mit den Ereignissen der näheren und weiteren Umgebung.

In Memoriam

Fritz Schäff (1900 - 1998)

Die Idee zu diesem Buch entsprang, wie so manches im Leben, bei einem Bier. Da sitzen zwei Eckersmühlener "Exilanten" im "Mephisto" in Roth beieinander und unterhalten sich über das eine oder andere, kommen auf alte Zeiten zu sprechen, erkundigen sich, was sich Neues im Dorf ereignet hat und wie es gemeinsamen Bekannten und Freunden geht.
Irgendwann kommt den beiden der Gedanke, dass so manche erlebte Geschichte es wert wäre aufgeschrieben zu werden. Dabei ergeben sich automatisch die Fragen wie "Wie alt ist das Dorf eigentlich?". Die Antwort: "Da hing doch in der Schule, beim Lehrer Heller, die eine Urkunde. Die ist so von 1200 herum".
Dann erinnert man sich, dass doch "der Pfarrer Alt auch Unterlagen haben musste, als im 30jährigen Krieg das Dorf abgefackelt worden ist!". Und überhaupt: "Wo standen denn die Burg und das kleine Schloss?" Und das "Posthorn". "...genau das Horn! Das ist doch die älteste Kneipe weit und breit. Da steht sogar der Keller unter Denkmalschutz! Das muss man doch herausfinden können, wie lang die Hütte schon existiert!"
Mit der Zeit stellten die beiden Exilanten fest, dass es zwar mehrere Geschichten um und über Eckersmühlen gibt und diese in verschiedenen Publikationen verbreitet sind. Aber eine zusammenfassende Ortsgeschichte existiert bis zum heutigen Tag nicht! Einem Dorf, das eine solche Geschichte wie Eckersmühlen vorzuweisen hat, steht es nicht gut an, keine eigene, zusammenfassende Ortschronik zu besitzen.

Die beiden "Exilanten" hatten eine Aufgabe! Das Ergebnis soll bis 2010 vorliegen und wir hoffen, dass es dem Leser gefällt und ihm das eine oder andere Schmunzeln entlockt, aber ihn auch zum Nachdenken anregt.

Dieses Buch ist aber vor allem unserem Fritz Schäff gewidmet, ohne dessen umfangreiche Vorarbeit das Buch in dieser Form wohl nicht verwirklicht werden könnte. Zumindest nicht in solch vergleichsweise kurzer Zeit. Wir hoffen, mit diesem Buch einen Beitrag leisten zu können, um Fritz Schäff, wenn auch posthum, endlich den Platz einzuräumen, der ihm gebührt.

Hätte er noch die Zeit gehabt, seine Forschungsergebnisse zusammenzufassen und selbst noch zu publizieren, wäre er mit Recht als einer der bedeutendsten Heimatforscher, vielleicht sogar der bedeutendste in Mittelfranken, auf jeden Fall in unserem Landkreis zu bezeichnen.



Ingolstadt und Roth, 2008
Claus Wittek, Klaus Dösel